Der Geschichtenonkel! Kaffeefahrt

Wildes Geblöke hallte über die niedrigen Hügel der Zurio-Farm als früh am Morgen gerade die zweite Sonne sein karmesinrotes Antlitz über den Horizont erhob. Calvin Zurio trat auf die Veranda seinen Hauses, in der Hand eine Tasse köstlichen Kaffees. Echten Kaffee, nicht den billigen Ersatzkram den sich die meisten Menschen aus den Städten leisten konnten. Eigentlich konnte Calvin sich so einen Luxus auch nicht leisten, doch zum einen pflanzte er selber diese spezielle Sorte, den „Sazilid Black“, an und zum anderen fand er seit kurzem reißenden Absatz. Eine Gruppe von Kapselpiloten war in das ehemals ruhige System gezogen und kauften alles auf, was sie kriegen konnten. Land, Schürfrechte, Fabriken aber auch simple Dinge wie das echte Fleisch seiner Felsziegen und eben den einmaligen „Sazilid Black“. „Das Leben gut hier, dank den Eierköpfen.“ So dachte Calvin und nippte an seinem Kaffee.
„Sturmboot Kappa 326, vorbereiten auf Landeanflug, die Landezone ist umkämpft, ich wiederhole: Landezone umkämpft.“ Für den Piloten des gepanzerten Landeshuttles war so etwas nichts neues. „Verstanden Gefechtsleitung, werfe Ladung in T-15 ab.“ Er hatte schon hunderte Abwürfe in Gefechtsgebiete hinter sich, aber gegen seine Fracht war ein blutiger Anfänger. Zwanzig Söldner der Wolfshund-Kompanie warteten regungslos auf ihren Einsatz, ihre beunruhigend normal aussehenden Gesichter versteckt hinter den Visieren ihrer Kampfanzüge. Einer der Soldaten, anscheinend der Kommandant obwohl kein Abzeichen das verriet, kam nach vorne in die Pilotenkanzel. „Irgendwelche Probleme, Pilot?“ Die Stimme klang wie jeder übliche 20 Uhr Nachrichtensprecher, weich und ohne jede markante Eigenschaft. „Nein, nur eine Gefechtslandung. Ich bringe euch schon runter.“ Der Kommandant lachte nur. „Mache dir darüber keine Gedanken Sohn, wir springen aus dem niedrigen Orbit. Ist einfacher für uns alle.“ Der Pilot wandte sich um und starrte für eine Sekunde in die Gesichtsplatte des Söldners, bevor er sich daran erinnerte, wen er da transportierte. „Wie sie wünschen.“ murmelte er. Für Klonsoldaten galten halt andere Regeln.
„Los! Los! Los!“ brüllte Sergeant 305 und stieß seinen Kameraden aus der Luke. „Wir haben eine heiße Landezone, also kein Nickerchen wenn ihr Unten seid. Bewegung, meine Damen, Kaffee gibts nachher.“ Er selber sprang als Letzter. 305 liebte Absprünge aus extremer Höhe. Man konnte seinen Job mal richtig genießen, während man ungebremst durch die Wolken fiel. Auf dem Boden war wieder alles nur Blut und Schweiß und Tod, aber diese Sekunden in denen er auf den Boden zuraste und die tödliche Geschwindigkeit weit hinter sich ließ, da fühlte er sich nochmal lebendig. 305 war natürlich nicht sein richtiger Name, aber wie alle Wolfshunde blieben sie im Kampf anonym. Sie waren ja eh nur ein generische Klone mit den gleichen Gesichtszügen, Stimmen und Körpern, also warum sollte man Namen verwenden. Einige seiner Soldaten kannten sich auch außerhalb des Dienstes persönlich, aber 305 bevorzugte es jeden persönlichen Kontakte zu vermeiden. Das verhinderte, dass er im Gefecht emotional wurde. Er sah auch nie in den Spiegel wenn er im Klon war. Er hatte von Klonsoldaten gehört, die den Schock ein fremdes Gesicht dort zu sehen wo ihr eigenes hätte sein müssen, nicht verkrafteten. Noch zwölf Sekunden bis zum abbremsen.
Das Feuergefecht wütete nun schon seit Stunden und 305 war verärgert. Sie wurden nach Auftrag bezahlt und nicht nach Aufwand. Sie hatten schon viel zuviel Munition verbraucht und neue Klone waren auch nicht billig. Er hatte nicht mit so einem Widerstand gerechnet. Er hatte zwei Möglichkeiten: Er konnte schweres Gerät anfordern und damit jeden Widerstand niederwalzen. Das würde etwa zwei weitere Stunden dauern und Kosten in Höhe von etwa anderthalb Millionen erfordern oder er konnte seinen Auftraggeber überzeugen das ganze abzukürzen. Das würde dem Eierkopf nur ein müdes Lächeln und vielleicht fünf Minuten kosten.
Feuer umfasste die Ganzheit des Zurio-Anwesens. Schafe mit brennendem Fell liefen panisch umher, andere waren einfach zu Asche zerfallen. Calvin Zurio hatte alles verloren. Seine ganze Familie war bei der ersten Explosion im Haus gewesen. Wild blickte sich der Farmer um, sah sein Lebenswerk, die Grundlage seines Überlebens in Flammen stehen. Er konnte nicht verstehen was hier passierte, nur das sein Leben vorrüber war. In Verzweiflung sank er auf seine Knie bevor die Flammen in erreichten.
305 war wütend. „Was ist denn nun? Wo bleibt die Unterstützung? Koordinaten 652 zu 864!“ Aus seinem Kom erschallte eine hallende Stimme. „Bitte wiederholen sie, 305!“ Verdammte Interferenzen. „Koordinaten 652 zu 864!“ „Verstanden, 305, Orbitalschlag kommt. Wir hatten hier oben einen Zahlendreher.“ Die Laserstrahlen dreier Coercer-Zerstörer badeten die Verteidigungslinie in helle Flammen und brachten 305 zum Lächeln. Das würde ein guter Zahltag werden.

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